Welche Lebensmittelfarben sind vegan? – Hier gibt’s Infos zu AZO-Farbstoffen und natürlichen Speisefarben

Vegane Lebensmittelfarbe

Vegetarier und Veganer kommen beim Backen und Dekorieren mit Fondant und Co irgendwann zur Frage, welche Lebensmittelfarben eigentlich vegan sind. Vielen ist zuvor gar nicht bewusst gewesen, dass es nicht-vegane überhaupt gibt. Wann Lebensmittelfarbe nicht vegan ist, was „AZO“ bei Lebensmittelfarben eigentlich heißt und welche Speisefarben für Veganer vor allem zu empfehlen sind, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Natürliche Speisefarbe gleich vegane Lebensmittelfarbe?

Die meisten natürlichen Lebensmittelfarben sind meist aus veganen Farbbestandteilen gemischt. Sie werden aus Beeren, Früchten und Gemüse gewonnen und färben Kuchen, Torten und Fondant ebenso gut wie chemische Farben.
Dennoch muss auf die Inhaltsstoffe geachtet werden, denn natürliche Lebensmittelfarben sind nicht gleich auch alle vegan. Das bekannteste Beispiel sind diverse rote Lebensmittelfarben, deren Farbstoff auf „Karmin“ basiert.

Karmin, auch Cochenille genannt, ist ein organischer Farbstoff, weil er von Kermes-Schildläusen gewonnen wird. Dafür werden für 1 kg Farbstoffgemisch bzw. 50 g Farbpigmente über 100.000 weibliche, trächtige Schildläuse in Essig getötet, getrocknet und dann in Wasser und Schwefelsäure gekocht.

Da dieses Verfahren nicht nur bei Veganern für Unbehagen sorgt, wird oftmals anstelle des Karmins die Azofarbe E124 verwendet, die allerdings, wie unten beschrieben, unter den eher umstrittenen Azofarbstoffen aufgelistet wird und durch den Erdöl-Grundstoff auch nicht vegan ist. Rote Kolorationen sollten daher aus Lebensmittelfarben gewonnen werden, die auf Grundlage roter Beeren oder Roter Bete entstanden sind.

Farbstoffe von Speisefarben

Damit Ihr eine Übersicht bekommt, welche Farbstoffe nicht oder bedenklich vegan sind, findet Ihr hier eine kleine Liste zur Orientierung:

  • E101 – Riboflavin/Vitamin B2 (gelb)
    Riboflavin kann auch Lactoflavin genannt werden und gibt dann schon den Hinweis darauf, dass dieses Vitamin aus Milch (lacto) gewonnen wird. Mitunter kommt es zwar in diversen Gemüsesorten vor, doch gilt E101 nicht als veganer Farbstoff aufgrund der Unklarheit, woraus der Farbstoff gewonnen wurde, da B2 zusätzlich auch in Fisch, Muskelfleisch und Eiern zu finden ist.
  • E120 – Karminrot/echtes Karmin (rot)
    Wie oben beschrieben entstammt dieser Farbstoff der Kermes-Schildlaus/Cochenille-Laus.
  • E132 – Indigotin 1/Indigokarmin (blau) bzw. E104 in Verbindung mit Chinolingelb (grün)
    Grundstoffe bei der Herstellung können aus Erdöl gewonnen worden sein.
  • E153 – Pflanzenkohle, Biokohle, Naturkohle, Holzkohle (schwarz)
    Entgegen ihrer Bezeichnungen können in dieser Lebensmittelfarbe durchaus tierische Bestandteile, wie Knochen, Fischgräten und dergleichen enthalten sein.
  • E161g – Xanthophylle, Canthaxanthin (orangerot)
    Nicht immer werden ausschließlich pflanzliche Grundlagen zur Herstellung der enthaltenen Tetraterpene verwendet. Das Färbemittel wird allerdings auch zu fragwürdigen Zwecken verwendet, wie z. B. zum Füttern und somit Einfärben von Lachsforellen oder Geflügel, um deren Haut bzw. Eidotter stattfarbener zu gestalten. Dies ist mit ein Grund, warum viele Veganer diesen Farbstoff boykottieren.
  • E163 – Anthocyane (rot, blau, braun)
    In Veganer-Kreisen gilt dieser Farbstoff als bedenklich, insoweit die Rotweintraube bzw. der Wein, aus dem die Farbe gewonnen wird, mit Gelatine, Fischbestandteilen, Eiweiß oder dergleichen gemischt worden ist.

Folgende Farbstoffe hingegen gelten als vegan und mitunter unbedenklich:

  • E100 – Curcumin/Kurkuma/Gelbwurzel (gelb)
  • E127 – Erythrosin (rot)
  • E131 – Patentblau V (hellblau)
  • E133 – Brilliantblau FCF (hellblau)
  • E140 – Chlorophylline/Chlorophylle (blattgrün)
  • E141 – Kupferchlorophylle (grün)
  • E142 – Grün S (grün)
  • E150 – Zuckerkulör/Karamell (braun)
  • E160a – Carotine/Beta-Carotin (orangegelb)
  • E160b – Annatto, Norbixin, Bixin (gelb/orange)
  • E160c – Paprika, Capsanthin, Capsorubin (orange bis rot)
  • E160d – Lycopin (rot)
  • E160e – Carotinoid (gelb bis rot)
  • E160f – Ester (gelb bis orange)
  • E161b – Xantophylle/Lutein (gelb)
  • E162 – Betanin/Beterot (violett-rot)
  • E170 – Claciumcarbonat (weiß)
  • E171 – Titandioxid (weiß)
  • E172 – Eisenoxid/-hydroxid (gelb, rot, schwarz)
  • E173 – Aluminium (metallische Pigmente)
  • E174 – Silber (Silber-Pigmente, z. B. Blattsilber)
  • E175 – Gold (Gold-Pigmente, z. B. Blattgold)

Natürlich sind die weiteren Zusatzstoffe in Lebensmittelfarbe ebenso entscheidend, ob diese vegan sind oder nicht. Die Verwendung von Schellack (E904) beispielsweise ist eindeutig nicht vegan, da dieser Stoff aus Ausscheidungen der Lackschildlaus gewonnen wird. Schellack findet sich gerne in Lebensmittel-Sprayfarben.

Auch Glycerin ist nicht zwingend vegan, auch wenn dieser Zuckeralkohol nicht mehr wie früher aus tierischen Fetten gewonnen wird. Heute ist Glycerin oftmals ein Nebenprodukt der Biodieselherstellung und Biodiesel kann zwar, muss aber nicht, aus rein pflanzlichen Fetten und Ölen gewonnen werden.
Daher sind Produkte mit Glycerin nur dann vegan, wenn eindeutig darauf hingewiesen ist („vegan“ oder „pflanzliches Glycerin“) oder im Zweifelsfall der Hersteller um eine klare Antwort gebeten wird.

Alternative AZO-Farbe?

Sehr oft kann von Azofarbstoffen gelesen werden und da diese synthetisch hergestellt werden, könnte angenommen werden, sie seien auch vegan. Allerdings werden Azofarbstoffe größtenteils aus Erdöl gewonnen und dieses ist fossil und daher nicht vegan.

Erdöl entsteht auf natürlichem Weg durch jegliche organischen Stoffe, die umgewandelt werden. Dies können sowohl Pflanzen, aber auch verendete Tiere, z. B. Meereskleinstlebewesen, sein, wenngleich prähistorisch. Nicht nur die tierischen Bestandteile, sondern auch aus Umweltgründen, verzichten viele Veganer auf Produkte, die aus Erdöl gewonnen werden. Doch was sind Azofarbstoffe überhaupt?

AZO-Lebensmittelfarbe – Was ist das?

Bekannt sind AZO-Lebensmittelfarben eigentlich schon bei Kindern. Die meisten leuchtend bunten Süßigkeiten aus dem Supermarkt enthalten AZO-Farbstoffe, um eben diese Farben hervorbringen zu können. Die Verwendung dieser synthetischen Farbstoffe stehen jedoch zunehmend in der Kritik. Aus diesem Grund gibt es auch immer mehr Hersteller, die auf chemische Farbstoffe in Süßigkeiten verzichten und auf natürliche Färbemittel zurückgreifen.

Teerfarbe, früher auch Anilin vom spanischen/arabischen an-nil für blau genannt, ist ein synthetisch hergestellter, blutvergiftender Stoff. Aus dieser öligen Flüssigkeit können unter starken Sicherheitsbestimmungen auch nicht-giftige Speisefarben wie Indigo hergestellt werden, um Lebensmittel z. B. blau oder violett einfärben zu können. Durch weitere Verbindungen wird die Wasserlöslichkeit der Farben als Speisefarben erhöht, sodass die Farben nicht im Körper eingelagert, sondern leichter ausgeschieden werden können.

Aufgrund einer britischen Studie, von der Food Standards Agency (FSA) 2007 in Auftrag gegeben, stehen AZO-Farbstoffe im Verdacht, die Aufmerksamkeit von Kindern in Richtung „Hyperaktivität“ zu beeinflussen. Bewiesen konnte dies nicht eindeutig werden und sie würden auch nicht der alleinige Auslöser sein, daher sind diese Speisefarben nicht verboten. Da der Verdacht aber weiterhin besteht, müssen seit 2010 Warnhinweise auf den jeweiligen Lebensmitteln angebracht werden, die auf diese Möglichkeit hinweisen, sobald AZO-Farbstoffe im Produkt enthalten sind.

Folgende Farben zählen zu den verdächtigen Azofarbstoffen:

  • E102 – Tartrazin (gelb)
  • E104 – Chinolingelb (gelb) (wenngleich keine Azofarbe)
  • E110 – Sunsetgelb/Gelborange S (orange)
  • E122 – Azorubin/Carmoisin (rot)
  • E124 – Cochenillerot A (rot)
  • E129 – Allurarot (rot)

Weitere bedenkliche AZO-Farben:

  • E123 – Amaranth (rot)
  • E151 – Brilliantschwarz (schwarz)
  • E154 – Braun FK (braun)
  • E155 – Braun HT (braun)
  • E180 – Litholrubin (rot)

Aufgrund dieser Hinweise verzichten oftmals auch Nicht-Veganer auf die Verwendung von Azofarben als Lebensmittelfarbe, vor allem, wenn sie sehr oft Kuchen und Torten kolorieren möchten – kleinere Mengen können als unbedenklich betrachtet werden. Das ist mit ein Grund, warum wir unser Sortiment mit natürlichen Lebensmittelfarben umfangreicher gestaltet haben.

Welche Lebensmittelfarbe ist vegan?

Wer in unserem Online-Shop vegane Lebensmittelfarbe sucht, findet viele Farben von Wilton, die vegan sind. Das enthaltende Geliermittel in den Gel- und Pastenfarben stammt von der Agar-Agar-Pflanze (E406, aus Algen gewonnen) und gilt als vegane Gelatine. Da Wiltons Speisefarben nicht vegan ausgewiesen sind, ist es wichtig, dass Ihr darauf achtet, welche Farbstoffe verwendet werden, damit sie als vegan bezeichnet werden können bzw. auch in welcher Form Ihr auf tierische Produkte verzichtet, um zu prüfen, ob die Wilton-Farben Euren Ansprüchen genügen.

Wilton Icing Colors
Wilton Icing Colors

Wer sicher sein muss, dass beispielsweise Mais nicht mit tierischem Dung gedüngt wurde, sollte Wilton zum jeweiligen Produkt direkt anschreiben. Grundsätzlich erklärt Wilton zu seinen Icing Colors allerdings, dass diese größtenteils vegan sind.

Ebenso sind viele der Lebensmittelfarbpulver von Sugarflair vegan, allerdings oftmals mit chemischen Farbstoffen koloriert. Gleiches gilt für die Glitzerpulver von Rainbow Dust. Unbedenklich und absolut vegan ist in jedem Fall unser Sortiment an Blattgold und Blattsilber.

Zusammenfassung

Grundsätzlich gilt es immer, die Zusammensetzung der jeweiligen Lebensmittelfarbe durchzusehen und zu entscheiden, ob sie für die persönliche Lebensweise verwendet werden können. Veganismus ist kein allgemeingültiger Leitfaden, der für alle einheitlich gilt. Manche synthetisch hergestellten Speisefarben sind definitiv vegan, doch viele möchten aufgrund der chemischen Farbstoffe oder etwaiger Bedenken darauf verzichten. Für andere sind Farben, die auf Erdöl basieren, oder Zutaten, die mit Kuhmist gedüngt wurden (z. B. Maisstärke), kein Problem – für andere schon, daher können wir hier nur einen kleinen Leitfaden bieten, der es Euch ermöglicht zu entscheiden, welche Lebensmittelfarben für Eure persönliche vegane Lebensweise in Frage kommen.

Euer Team von meincupcake.de


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